Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


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Inhalt: Der Anstrich - die farbliche Kennung eines Leuchtturms

Oberfeuer Osterende, Elbe

Oberfeuer Osterende, Elbe

Bei der Entscheidung über die Farbe eines Leuchtturms (das Bild rechts zeigt das südlich von Brunsbüttel an der Elbe stehende Oberfeuer Osterende) spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  • Sichtbarkeit/Kontraste
  • Nautische Bedeutung
  • Tradition

Der letzte Faktor ist, wenn wir etwas weiter in die Vergangenheit schauen, durchaus recht bedeutsam. Ursprünglich waren die Leuchttürme meist in der Originalfarbe des Mauerwerks (Naturstein oder Klinker). So sehen auch heute noch viele Leuchttürme in aller Welt aus. Auch einige Leuchttürme, die heute mit farbigem Anstrich versehen sind, erschienen ursprünglich mal in der Farbe des jeweiligen Mauerwerks, so z. B. Leuchtturm Kampen auf Sylt.

Vielleicht verdanken wir ja die rot-weiße Farbe dem Regierungs- und Baurat Walter Körte, der 1883 bis 1885 den Bau des Leuchtturms Roter Sand in der Wesermündung leitete. Obwohl dieser Leuchtturm bei weitem nicht der älteste Leuchtturm ist, wurde er doch zu so einer Art Archetypus für Leuchttürme. Es war der Beginn der großen Zeit der Leuchttürme aus Eisen bzw. Stahl. Ob Walter Körte selber auf die rot-weiß gestreifte Farbgebung gekommen ist oder Vorbilder oder Anregungen aus seiner Umgebung oder aus der weiten Welt hatte, ist hier nicht bekannt.

Sichtbarkeit/Kontraste der Farben hängen von den örtlichen Verhältnissen des Hintergrundes ab (Himmel, Wasser, Land, Vegetation, Felsen, Gebäude). Kontrastwirkung besteht aus Farbkontrast und Helligkeitskontrast; und diese beiden jeweils zum Hintergrund und, wegen der Auffälligkeit, auch in sich, auf das Bauwerk bezogen.

Rot bringt einen guten Farbkontrast, insbesondere zu allen grünlichen Farbtönen, Land (mit Vegetation), manchmal auch Watt und Wasser. Auch Schwarz ist aber unter diesem Aspekt oft eine richtige Wahl. Viele Leuchttürme sind auch schwarz-weiß, z. B. Bülk bei Kiel und heute auch der Leuchtturm Kampen auf Sylt sowie etliche Unter- und Oberfeuer an der Unter- und Außenelbe.

Weiß ist der ideale Kontrast zu den dunkleren Farben, sowohl in der Umgebung, als auch zu den dunkleren Streifen auf dem Leuchtturm selbst (rot, schwarz, grün).

Rot-weiß ist also hinsichtlich Kontrast und Auffälligkeit ziemlich optimal. Die Entscheidung war wahrscheinlich recht gefühlsmäßig bzw. intuitiv, aber gut! Später wurden diese Dinge wissenschaftlich-analytisch untersucht. Noch heute sind wir hinsichtlich Licht, Farbe und Auffälligkeit in einem sehr aktiven Erkenntnisprozess - nicht zuletzt auch bei den schwimmenden Seezeichen, den Tonnen.

Die Nautische Bedeutung in Bezug auf eine Seite (Backbord oder Steuerbord) eines Fahrwassers oder einer Einfahrt ist zu berücksichtigen, z. B. bei Molenfeuern (rot und grün). Aus dieser Überlegung heraus hat z. B. der Leuchtturm Friedrichsort in der Kieler Förde, der ganz nah beim Fahrwasser steht (einlaufend rechts) einige grüne Ringe. Dieses Kriterium ist aber nicht auf alle Leuchttürme anwendbar.

Unterfeuer und Oberfeuer einer Richtfeuerlinie müssen in der Farbe und in der Gestaltung gleich sein (aber nicht in der Höhe, versteht sich - eine Richtfeuerlinie besteht aus einem Ober- und einem Unterfeuer. Werden beide Feuer übereinander gebracht, befindet man sich auf der Richtfeuerlinie und damit in der Mitte der Fahrrinne). Zwei nahe beieinander liegende Richtfeuerlinien hingegen müssen in Gestaltung und Farbe unterschiedlich sein.

Bei Leuchttürmen, die nicht mehr von der Seezeichenbehörde (hier = WSV) als Schifffahrtszeichen im Sinne von § 34 Bundeswasserstraßengesetz und Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung betrieben werden oder als Schifffahrtszeichen genehmigt sind, sind dann auch allerlei andere Farbgebungen zu finden, z. B.: "Alter Leuchtturm - Molenfeuer Eckernförde". Das alte Molenfeuer aus dem Jahre 1911 war bis 1981 in Betrieb. Es ist heute in den Farben blau und gelb gestrichen und befindet sich mitten auf einem Platz am Hafen.

Gibt es internationale Regeln zur Farbgebung von Leuchttürmen?

Ja, es gibt das Maritime Buyage System (MBS) der International Association of Marine Aids to Navigation and Lighthouse Authorities, kurz: IALA. Hier haben sich weltweit die nationalen Seezeichenverwaltungen zusammengeschlossen und internationale Standards zu erarbeiten und umzusetzen - siehe auch den Link auf dieser Seite unter "Weitere Quellen". Es enthält Hinweise zum Einsatz und zur Gestaltung von festen Schifffahrtszeichen. Einen Überblick über den derzeitigen Stand beim Maritime Buyage System gibt der nachstehende Vortrag (in englischer Sprache). Er wurde auf der Internationalen Seezeichenkonferenz im März 2010 gehalten:

Warum haben alle Leuchttürme eine bestimmte Farbgebung und wer entscheidet darüber?

Die Entscheidung über die Farbe, Gestalt und Größe eines Leuchtturms wird von der jeweiligen Seezeichenbehörde aufgrund der örtlichen spezifischen Anforderungen gefällt.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Leuchttürme untereinander nicht verwechselt werden können. Sie sollen ja eine ganz bestimmte Position oder Situation eindeutig kennzeichnen. Das ist ein wichtiger Grund, warum die Leuchttürme immer unterschiedlich aussehen! Selbst sonst sehr ähnliche Leuchttürme, wie die zur gleichen Zeit gebauten Türme in Hörnum, auf Pellworm, Westerheversand und in Büsum, haben deshalb unterschiedliche rote Ringe und unterschiedliche Licht-Kennungen.

Weitere Quellen zum Thema: